Menü
Illustration: Ein altes und ein neues Gleis laufen nebeneinander durch die Landschaft

Netzwerk

Dual Stack: IPv4 und IPv6 parallel betreiben

Zwei Protokolle, ein Netz. Warum IPv4 noch nicht abgeschaltet werden kann und wie Geräte zwischen beiden wählen.

Daniel Weihmann Aktualisiert am · 2 Minuten Lesezeit

Kurz gesagt

Dual Stack heißt: Ein Gerät oder Netz spricht IPv4 und IPv6 gleichzeitig. Jede Verbindung nutzt das Protokoll, das beide Seiten können, bevorzugt IPv6. So funktioniert der Übergang zu IPv6, ohne dass Dienste wegbrechen, die nur IPv4 kennen.

Was bedeutet Dual Stack?

Ein Protokollstapel (Stack) ist die Software, die Netzwerkverkehr verarbeitet. Bei Dual Stack laufen zwei davon nebeneinander: einer für IPv4, einer für IPv6. Ein Gerät hat dann zwei Arten von Adressen, etwa 192.168.1.10 und eine IPv6-Adresse wie 2001:db8::10. RFC 4213 beschreibt das als grundlegenden Weg, IPv6 einzuführen.

Das Bild der zwei Gleise passt: Die alte Strecke bleibt in Betrieb, während die neue daneben gebaut wird. Züge, die die neue Spur kennen, fahren dort. Die anderen bleiben auf der alten.

Warum IPv4 und IPv6 parallel?

IPv4-Adressen sind 32 Bit lang, das reicht für rund 4,3 Milliarden Adressen. IPv6 nach RFC 8200 verwendet 128 Bit und hat damit praktisch unbegrenzt viele. Weil aber viele Server und Programme noch nur IPv4 sprechen, lässt sich IPv4 nicht einfach abschalten. Dual Stack überbrückt die Zeit, bis das möglich ist.

IPv4IPv6
Adresslänge32 Bit128 Bit
Schreibweise192.0.2.102001:db8::10
Im Heimnetzprivate Adressen, Router übersetzt per NATmeist öffentliche Adressen, keine Übersetzung

Welches Protokoll wird genutzt?

Fragt ein Gerät eine Website an, liefert das DNS im besten Fall zwei Adressen: eine IPv4- und eine IPv6-Adresse. Nach RFC 8305, „Happy Eyeballs“, versucht das Gerät zuerst IPv6 und startet kurz danach parallel einen IPv4-Versuch, falls IPv6 nicht schnell antwortet. Die Verbindung, die zuerst steht, wird genommen. Für Nutzer läuft das unsichtbar ab.

Dual Stack oder DS-Lite?

Die Namen klingen ähnlich, der Unterschied ist für Betriebe wichtig. Beim echten Dual Stack bekommt der Router eine eigene öffentliche IPv4-Adresse und zusätzlich IPv6. Bei Dual-Stack Lite (RFC 6333) gibt es nur IPv6. IPv4 wird darin zum Anbieter getunnelt und dort über eine Adresse geschickt, die sich viele Kunden teilen. Fernzugriffe über IPv4 sind dann nicht möglich. Die Folgen beschreibt der Beitrag über Carrier-Grade NAT.

Was heißt das für ein kleines Unternehmen?

Wer Server, Kameras oder Fernwartung von außen erreichbar machen will, sollte beim Anbieter klären, welche Anschlussart er bekommt. Mit echtem Dual Stack funktionieren IPv4-Portweiterleitungen wie gewohnt, und über IPv6 sind Geräte zusätzlich direkt adressierbar. Dann gehört aber auch die Firewall des Routers für IPv6 auf den Prüfstand, denn ohne NAT schützt keine Übersetzung mehr nebenbei.

Häufige Fragen

Muss ich als Nutzer etwas einstellen?

Meist nicht. Aktuelle Betriebssysteme sprechen IPv4 und IPv6 von Haus aus. Ob Dual Stack genutzt wird, entscheidet vor allem der Anschluss, den der Anbieter liefert, und die Einstellung im Router.

Ist Dual Stack langsamer?

Nein. Für jede Verbindung wird nur eines der beiden Protokolle genutzt. Damit kein Protokoll bremst, das gerade hakt, probieren Geräte nach dem Happy-Eyeballs-Verfahren beide kurz versetzt aus.

Was ist der Unterschied zu DS-Lite?

Beim echten Dual Stack hat der Anschluss eine eigene öffentliche IPv4-Adresse und IPv6. Bei DS-Lite gibt es nur IPv6, IPv4 läuft getunnelt über eine geteilte Adresse beim Anbieter.