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Illustration: Fünf Haustüren in einer Reihe, Pfeile von den äußeren Türen führen zur goldenen mittleren Tür, vor der ein Zusteller mit Paket steht

Suchmaschinen

Canonical-Tag und doppelte Inhalte

Ein Inhalt, mehrere Adressen: Wie Sie Google die gewünschte nennen und warum es ein Hinweis bleibt und keine Regel.

Daniel Weihmann Aktualisiert am · 6 Minuten Lesezeit

Kurz gesagt

Der Canonical-Tag nennt Google die Adresse, die in den Suchergebnissen erscheinen soll, wenn derselbe Inhalt unter mehreren URLs erreichbar ist. Er ist ein starkes Signal, aber ein Hinweis und keine Regel. Eine Weiterleitung nennt Google ebenfalls ein starkes Signal, die Sitemap nur ein schwaches.

Was sind doppelte Inhalte?

Derselbe oder ein sehr ähnlicher Inhalt ist unter mehreren Adressen abrufbar. Google nennt dafür unter anderem diese Ursachen:

  • Protokollvarianten: die http- und die https-Version einer Website.
  • Websitefunktionen: Sortier- und Filterergebnisse einer Kategorieseite.
  • Gerätevarianten: eine Seite mit einer mobilen und einer Desktop-Adresse.
  • Regionsvarianten: Seiten für verschiedene Länder in derselben Sprache.
  • Versehentliche Varianten: eine Testversion der Website, die für Crawler offen geblieben ist.

Dazu kommen die Varianten, die jeder kennt: mit und ohne www, mit und ohne Schrägstrich am Ende, mit angehängten Tracking-Parametern. Auch das sind mehrere Adressen für denselben Inhalt.

Eine Strafe ist das nicht. Google schreibt, dass eine gewisse Menge doppelter Inhalte normal ist und nicht gegen die Spamrichtlinien verstößt. Es bleiben zwei praktische Nachteile: Besucher wissen nicht, welche Seite die richtige ist, und das Ranking der Inhalte lässt sich schwerer beobachten.

Wie wählt Google die kanonische Adresse?

Findet Google mehrere Seiten mit demselben Kerninhalt, gruppiert es sie zu einem Cluster. Aus dem Cluster wählt es die Seite, die es für die vollständigste und nützlichste hält, und kennzeichnet sie als kanonisch. Die kanonische Seite wird am häufigsten gecrawlt, die Duplikate seltener. Das spart Crawling-Last und ist ein Grund, die Auswahl nicht dem Zufall zu überlassen.

Als Signale nennt Google, ob die Seite über http oder https ausgeliefert wird, Weiterleitungen, das Vorkommen der URL in einer Sitemap und rel="canonical"-Angaben. Die kanonische Seite dient laut Google als Hauptquelle für die Bewertung von Inhalt und Qualität. Und: Das Suchergebnis verweist normalerweise auf sie, außer eine Variante passt deutlich besser zur Anfrage, etwa die mobile Seite bei einem Handy.

Welche Methoden gibt es, und wie stark sind sie?

Google ordnet die Methoden nach ihrem Einfluss. Man kann sie kombinieren, das erhöht die Chance, dass die bevorzugte Adresse erscheint.

MethodeStärkeWann sie passt
Weiterleitung (301)starkDie doppelte Seite soll außer Betrieb gehen
rel="canonical"starkBeide Adressen müssen erreichbar bleiben
SitemapschwachAls Ergänzung, besonders bei großen Websites

Die Sitemap trägt dabei nur dann bei, wenn sie die richtigen Adressen enthält. Wie das geht, steht im Beitrag über robots.txt und Sitemap.

Wie setze ich den Canonical-Tag?

Im <head> jeder Seite steht ein link-Element, das auf die bevorzugte Adresse zeigt:

<link rel="canonical" href="https://ihre-domain.de/seite/">

Dazu gelten diese Regeln aus Googles Dokumentation:

  1. Absolute AdresseMit Protokoll und Domain. Relative Pfade funktionieren, Google rät aber davon ab.
  2. Im headDas Element wird nur akzeptiert, wenn es im head-Abschnitt steht. Der head muss deshalb gültiges HTML sein.
  3. Auch auf der kanonischen SeiteDie bevorzugte Seite verweist mit einem selbstverweisenden Canonical auf sich selbst.
  4. Eine Adresse pro SeiteVerschiedene kanonische Adressen für dieselbe Seite widersprechen sich, auch wenn sie aus verschiedenen Methoden stammen, etwa eine in der Sitemap und eine im Tag.
  5. Kein FragmentEine Adresse mit # ist als kanonisch ungeeignet, Google unterstützt Fragmente in der Regel nicht.
  6. Im HTML, nicht per SkriptWer die Seite per JavaScript aufbaut, sollte den Canonical im HTML-Quelltext angeben und nicht durch ein Skript ändern lassen.

Diese Website setzt auf jeder Seite einen selbstverweisenden Canonical mit absoluter Adresse. Die Artikel haben genau eine Adresse mit Schrägstrich am Ende, die Fassung ohne Schrägstrich leitet per 301 dorthin um.

Das link-Element gibt es nur in HTML. Für andere Dateitypen, etwa PDF oder Word, unterstützt Google einen HTTP-Header mit demselben Zweck. Das ist nur für die Websuche vorgesehen:

Link: <https://ihre-domain.de/downloads/whitepaper.pdf>; rel="canonical"

Google empfiehlt, sich für eine der beiden Varianten zu entscheiden. Beide gleichzeitig zu nutzen wird zwar unterstützt, ist aber fehleranfälliger, weil Header und Element auf verschiedene Adressen zeigen können.

Warum bevorzugt Google https?

Google wählt bei gleichwertigen Seiten standardmäßig die https-Version als kanonisch, es sei denn, es gibt Probleme mit ihr. Als Beispiele nennt Google ein ungültiges Zertifikat, unsichere Abhängigkeiten außer Bildern, eine Weiterleitung von https auf http oder einen Canonical, der auf die http-Seite zeigt. Wer das Signal verstärken will, leitet http auf https um oder setzt einen Canonical von http auf https. In die Sitemap gehört die https-Fassung, nicht die http-Fassung.

Welche Fehler kommen häufig vor?

  • robots.txt zur Kanonisierung: Google rät ausdrücklich davon ab, denn gesperrte URLs können ohne ihren Inhalt trotzdem indexiert werden. Mehr dazu im Beitrag über robots.txt und Sitemap.
  • noindex gegen die Kanonisierung: Google rät davon ab, damit die Wahl einer kanonischen Seite zu verhindern, weil die Seite dadurch ganz aus der Suche verschwindet. Besser ist ein Canonical.
  • Das Entfernen-Tool der Search Console: Es blendet alle Versionen einer URL in der Suche aus und ist keine Kanonisierung.
  • Widersprüche: Der Canonical nennt die eine Adresse, die Sitemap eine andere, die internen Links eine dritte. Dann trifft Google eine eigene Wahl.
  • Uneinheitliche interne Links: Google empfiehlt, innerhalb der Website immer auf die kanonische URL zu verlinken, nicht auf ein Duplikat. Wie das gelingt, steht im Beitrag über interne Verlinkung.

Was ändert sich bei einem Umzug?

Bei einem Relaunch oder einem Domainwechsel ist der Canonical nur eine Ergänzung. Die alten Adressen sollten per Weiterleitung auf die neuen führen, denn Google nennt die Weiterleitung ein starkes Signal und führt sie an erster Stelle. Eine Anleitung dazu finden Sie im Beitrag Relaunch ohne Rankingverlust. Wenn eine Domain unter zwei Adressen erreichbar bleiben soll, ohne dass sich die URL im Browser ändert, beschreibt der Beitrag zur Domain-Weiterleitung die Möglichkeiten. In diesem Fall sollte ein Canonical auf die bevorzugte Adresse zeigen.

Wie prüfe ich, was Google gewählt hat?

  1. QuelltextDie Seite im Browser aufrufen und im Quelltext nach rel="canonical" suchen. Es darf genau ein Element im head stehen.
  2. URL-PrüfungIn der Google Search Console zeigt das Feld „Von Google ausgewählte kanonische URL“, welche Adresse Google gewählt hat. Das gilt nur für die indexierte Fassung, der Live-Test kann es nicht vorhersagen.
  3. SeitenindexierungDer Bericht zeigt, welche Seiten als doppelt oder alternativ gelten. Ziel ist laut Google, dass von jeder wichtigen Seite die kanonische Version indexiert ist. Dass nicht jede URL im Index steht, ist normal.
  4. Varianten testenwww, ohne www, http, mit und ohne Schrägstrich aufrufen. Jede Variante sollte per 301 auf dieselbe Adresse führen oder einen Canonical auf sie tragen.

Häufige Fragen

Ist doppelter Inhalt eine Strafe?

Nein. Laut Google ist eine gewisse Menge an Duplicate Content normal und verstößt nicht gegen die Spamrichtlinien. Das Problem ist ein anderes: Google muss wählen, welche Adresse es zeigt, und die Signale verteilen sich auf mehrere URLs.

Muss jede Seite einen Canonical-Tag haben?

Nein. Google nennt die Methoden empfehlenswert, aber nicht erforderlich. Ohne Angabe wählt Google selbst die aus seiner Sicht beste Version. Sinnvoll ist ein Canonical, wenn Sie bestimmen wollen, welche Adresse erscheint.

Befolgt Google den Canonical immer?

Nein. Eine kanonische Präferenz ist laut Google ein Hinweis und keine Regel. Google kann aus verschiedenen Gründen eine andere URL wählen, etwa wenn die Signale sich widersprechen.

Soll der Canonical relativ oder absolut sein?

Absolut, also mit https und Domain. Google unterstützt zwar relative Pfade, rät aber davon ab, weil sie zum Beispiel bei einer versehentlich crawlbaren Testwebsite Probleme machen können.

Canonical oder 301-Weiterleitung?

Eine Weiterleitung nutzen Sie, wenn die doppelte Seite verschwinden soll. Ein Canonical passt, wenn beide Adressen erreichbar bleiben müssen, etwa bei Filter- und Sortierseiten.